Jedes Jahr beginnt mit dem Frühling nicht nur die Zeit des Erwachens in der Natur, sondern auch die Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere. In dieser sensiblen Phase werden Jungtiere geboren und Vögel brüten ihren Nachwuchs aus. Um die Tierwelt in dieser wichtigen Zeit zu schützen, gilt in vielen Bundesländern eine Leinenpflicht für Hunde. Doch was bedeutet das genau für Hundebesitzer? Wo gilt sie, welche Strafen drohen bei Verstößen und wie kannst du deinem Hund dennoch ausreichend Bewegung bieten? Hier erfährst du alles Wichtige zur Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit.
Warum gibt es eine Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit?
Während der Brut- und Setzzeit bringen viele Wildtiere ihren Nachwuchs zur Welt und sind besonders empfindlich gegenüber Störungen. Besonders gefährdet sind Bodenbrüter wie Fasane oder Rotkehlchen sowie Rehkitze, Hasen und andere Wildtiere, die oft schutzlos auf Wiesen und im Unterholz liegen. Freilaufende Hunde können diese Tiere aufschrecken, Jungtiere verletzen oder dazu führen, dass diese von ihren Muttertieren nicht mehr angenommen werden. Der Grund: Wenn ein Jungtier mit einem Hund in Kontakt kommt, kann es (je nach Tierart) dessen Geruch annehmen, wodurch es von seiner Mutter nicht mehr erkannt und möglicherweise verstoßen wird. Auch die bloße Anwesenheit eines Hundes kann ausreichen, um Muttertiere zu verschrecken. In Panik fliehen sie möglicherweise und kehren nicht zurück, wodurch ihr Nachwuchs schutzlos bleibt. Solche Störungen setzen Jungtiere einem hohen Risiko aus – sie können sich verirren, geschwächt werden oder leichter Beute für Raubtiere sein.
Aber nicht nur Wildtiere sind gefährdet – auch Hunde selbst können in unangenehme oder gefährliche Situationen geraten. Besonders Wildschweine mit Frischlingen verteidigen ihren Nachwuchs entschlossen und können einen Hund ernsthaft verletzen. Auch Füchse können sich bedroht fühlen und sich mit Bissen wehren.
Hunde, die Wildtieren hinterherjagen, laufen zudem Gefahr, sich in dichtem Unterholz zu verirren oder sich an Dornen und spitzen Ästen zu verletzen. Auch das Laufen auf unwegsamem Gelände birgt Risiken. Die Leinenpflicht trägt dazu bei, diese Gefahren für Wildtiere und Hunde gleichermaßen zu minimieren. Zudem sorgt sie für ein natürliches Gleichgewicht und hilft, die Natur während dieser sensiblen Zeit zu schützen.
Wann gilt die Leinenpflicht – während der Brut- und Setzzeit und darüber hinaus?
Die Brut- und Setzzeit erstreckt sich in den meisten Bundesländern vom 1. April bis zum 15. Juli, kann jedoch regional variieren. In manchen Bundesländern beginnt sie bereits im März, während andere eine ganzjährige Leinenpflicht in bestimmten Gebieten vorschreiben oder gar keine allgemeine Vorgabe dazu haben. Daher ist es ratsam, sich bei der zuständigen Gemeinde oder Forstbehörde über die genauen Vorschriften in der jeweiligen Region zu informieren.
Wo gilt die Leinenpflicht?
Die Regelung zur Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit ist nicht bundesweit einheitlich, sondern wird von den einzelnen Bundesländern und Kommunen festgelegt. In der Regel betrifft sie:
Wälder, Felder, Wiesen und dazugehörige Gewässer, die als Lebensraum für Wildtiere dienen
Naturschutzgebiete und Landschaftsschutzgebiete, in denen ohnehin meist eine Anleinpflicht besteht
Parkanlagen und städtische Grünflächen, sofern von der Kommune festgelegt
In einigen Regionen wird die Leinenpflicht auf bestimmte Gebiete beschränkt, während sie in anderen flächendeckend gilt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich die jeweiligen Vorgaben in seiner Region anschauen.
Welche Strafen drohen bei Verstößen?
Wer sich nicht an die Leinenpflicht hält, muss mit Bußgeldern rechnen. Die Höhe der Strafe variiert je nach Bundesland und kann zwischen 30 und 150 Euro liegen. In schwerwiegenden Fällen – etwa bei wiederholten Verstößen oder wenn Wildtiere nachweislich verletzt wurden – können Strafen bis zu 50.000 Euro verhängt werden. In manchen Bundesländern gibt es zudem Regelungen, die Jägern unter bestimmten Umständen erlauben, Hunde zu erschießen, die als wildernd gelten.
Als wildernd gelten Hunde, die unbeaufsichtigt Wildtieren nachstellen, sie hetzen oder töten. Das bedeutet, dass ein Hund, der Wild verfolgt oder reißt, als Gefahr für das Wild betrachtet wird und in manchen Regionen von Jägern erschossen werden darf. Die genauen Regelungen dazu unterscheiden sich jedoch je nach Bundesland.
Ob eine Verwarnung oder ein direktes Bußgeld ausgesprochen wird, liegt im Ermessen der zuständigen Ordnungsbehörde. Neben den gesetzlichen Vorgaben ist aber auch die Eigenverantwortung jedes Hundehalters gefragt: Rücksichtnahme auf die Natur ist ein wichtiger Bestandteil des verantwortungsvollen Hundebesitzes.
So kannst du deinem Hund trotzdem gerecht werden
Auch wenn die Leinenpflicht eine Einschränkung bedeutet, gibt es Möglichkeiten, deinem Hund weiterhin ausreichend Bewegung und Beschäftigung zu bieten:
Nutze alternative Gassi-Routen: In vielen Städten gibt es eingezäunte Hundewiesen oder speziell ausgewiesene Freilaufflächen, auf denen Hunde ohne Leine toben dürfen.
Verwende eine Schleppleine: Eine lange Schleppleine gibt dem Hund mehr Bewegungsfreiheit, während du trotzdem die Kontrolle behältst. Achte jedoch darauf, dass dein Hund trotz langer Leine auf den Wegen bleibt, um Wildtiere nicht unnötig aufzuschrecken oder geschützte Bereiche zu betreten.
Fördere geistige Auslastung: Intelligenzspiele, Nasenarbeit und Suchspiele sorgen für mentale Beschäftigung und gleichen weniger Freilauf teilweise aus.
Plane gezielte Trainingseinheiten: Leinenführigkeit, Apportierspiele oder Gehorsamsübungen halten deinen Hund beschäftigt und fördern eure Bindung.
Fazit: Rücksicht nehmen und gemeinsam genießen
Die Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit hilft dabei, die Natur in ihrer sensibelsten Phase zu schützen – denn Wiesen, Felder und Wälder werden in dieser Zeit zur Kinderstube vieler Wildtiere. Hundebesitzer können mit etwas Rücksicht und angepasster Beschäftigung nicht nur ihren Vierbeinern gerecht werden, sondern auch aktiv dazu beitragen, dass Jungtiere ungestört aufwachsen können. Mit einer durchdachten Planung und kleinen Anpassungen lässt sich diese Zeit gut überbrücken – für ein respektvolles Miteinander zwischen Mensch, Hund und Natur.










